Hintergrund und Wirksamkeit
Seit 2025 stehen Amyloid‑Antikörper wie Lecanemab (Leqembi®) und Donanemab (Kisunla®) für die Behandlung der Frühform der Alzheimer‑Krankheit zur Verfügung. Es handelt sich um monoklonale Antikörper gegen Amyloid‑β, die zu einem Abbau von Amyloid‑Plaques im Gehirn führen und in Studien eine etwa 30 % geringere Verschlechterung kognitiver und funktioneller Leistungen über 18 Monate zeigten. Der Effekt ist ausgeprägter, je früher man im Krankheitsverlauf behandelt.
Die Behandlung erfordert eine sorgfältige Patient:innenauswahl, eine strukturierte Diagnostik und ein engmaschiges klinisches und radiologisches Monitoring.
Zugelassene Patient:innenpopulation (Kurzüberblick)
Die Therapie richtet sich an Patient:innen mit:
Frühem Stadium der Alzheimer‑Krankheit (MCI oder leichte Demenz) mit MMSE ≥ 20 oder äquivalent.
Nachweis einer Alzheimer‑Pathologie (Liquor‑Biomarker oder Amyloid‑PET).
Aktuellem Schädel‑MRT (≤ 6 Monate) ohne Ausschlussbefunde (insbesondere keine hochgradige CAA‑Konstellation).
ApoE4‑Genotyp heterozygot oder negativ (ApoE 4/4 ausgeschlossen).
Einwilligungsfähigkeit und zuverlässige Begleitperson für die gesamte Therapiedauer.
Wichtige Ausschlusskriterien (Auswahl)
Angelehnt an die Studiendesigns und klinische Erfahrung:
Mittelschwere bis schwere Alzheimer‑Demenz.
Kognitive Störung nicht primär durch eine Alzheimer Krankheit bedingt.
ApoE4‑Homozygotie.
Orale Antikoagulation (Marcumar, DOAK).
MRT‑Befunde wie ≥ 4 Mikroblutungen, Makroblutung > 10 mm, superfizielle Siderose, > 2 Lakunen, größere Territorialinfarkte, ausgeprägte Leukoaraiose (Fazekas 3).
Schlaganfall oder TIA innerhalb der letzten 12 Monate.
Epilepsie, schwere systemische Autoimmunerkrankungen, Immunsuppression.
Schwere internistische Komorbiditäten, unkontrollierte Hypertonie, relevante Blutungsneigung.
Kontraindikationen für eine MRT‑Untersuchung.
Ein Teil dieser Kriterien wird im Rahmen der Evaluierung in unserer Ambulanz nochmals überprüft.
Erforderliche Unterlagen für die Zuweisung
Wir bitten um Zuweisung von Patient:innen mit milder Demenz oder MCI, ggf. bei bereits nachgewiesener Alzheimer‑Pathologie und ohne die oben genannten Ausschlusskriterien. Für eine zügige Beurteilung senden Sie uns bitte vorab:
Zusammenfassenden Befundbericht mit Diagnose, Symptomverlauf, Komorbiditäten.
Neuropsychologische Testung (z.B. MMSE, MoCA) mit Datum.
Originalbefunde der Liquor‑Analytik (inkl. Referenzwerte) und/oder Amyloid‑PET‑Berichte.
Letztes Schädel‑MRT (Bilder und Befund); falls älter als 6 Monate, veranlassen wir bei Bedarf eine erneute Bildgebung nach AAT‑Protokoll.
Aktuellen Medikamentenplan und Auflistung kardiovaskulärer Risikofaktoren.
Die ggf. noch ausstehende Diagnostik (inkl. ApoE‑Genotypisierung) sowie die endgültige Therapieentscheidung erfolgen in unserem Zentrum.
Rahmenbedingungen der Therapie
Bei Eignung werden Ihre Patient:innen in unserer Alzheimer Infusionsambulanz behandelt.
Intravenöse Infusionen alle 2 Wochen (Lecanemab) bzw. alle 4 Wochen (Donanemab).
Infusionsdauer ca. 30–60 Minuten, initial längere Nachbeobachtungszeiten (2–3 Stunden).
Mehrere MRT‑Kontrollen im ersten Behandlungsjahr nach vorgegebenem Schema.
Halbjährliche neurologische Verlaufskontrollen inklusive kognitiver Testung.
Geplante Therapiedauer initial 12–18 Monate, abhängig von Präparat, Verlauf und Verträglichkeit.