Krankheitsbild

Der Spitzfuß mit allmählicher struktureller Verkürzung der Achillessehne tritt auf, wenn das muskuläre Gleichgewicht der Fußheber und Fußsenker gestört ist und der Fuß überwiegend in Spitzfußhaltung steht. Dies ist häufig im Rahmen von neurologischen Grunderkrankungen wie der infantilen Zerebralparese oder der Myelomeningocele der Fall, kann sich aber auch durch einen habituellen Zehenspitzengang, dem keine neurologische Erkrankung zugrunde liegen muss, entwickeln.

Als Behandlung sind zunächst konservative Maßnahmen wie Krankengymnastik oder auch Botulinumtoxininjektionen in den Wadenmuskel indiziert. Sollte diese Therapie nicht ausreichen und es zu einer Verkürzung des Wadenmuskels (Musculus triceps surae) und der Achillessehne kommen, spricht man von einem strukturellen Spitzfuß. In diesem Fall werden operative Maßnahmen zur Verlängerung der Achillessehne oder auch des Wadenmuskels erforderlich.
Operative Behandlungsmethoden
Im ersten Lebensjahr lässt sich die Achillessehne durch eine einfache perkutane Durchtrennung (Achillessehnen-Tenotomie), die wir ambulant vornehmen, verlängern. Hierbei wird nach der Sehnendurchtrennung für drei Wochen ein Gips in Korrekturstellung des Fußes angelegt. In dieser Zeit heilt die Sehne nahezu narbenlos unter Verlängerung wieder zusammen. Bei älteren Kinder funktioniert dies nicht mehr. Dann kann diese Methode z.B. beim Lähmungsspitzfuß genutzt werden, wenn ein Zusammenheilen nicht gewünscht ist.

Nach dem ersten Lebensjahr lassen sich mäßige Verkürzungen der Achillessehne durch die intramuskuläre Verlängerung in der Technik nach STRAYER oder die perkutane Achillessehnenverlängerung nach HOKE korrigieren. Hierbei nehmen wir eine dosierte Kerbung des Muskelsehnenübergangs am Wadenmuskel oder kleine hälftige Einkerbungen der Sehne an drei verschiedenen Stellen der Achillessehne vor, um die Sehne durch nachfolgendes Auseinanderdehnen zu verlängern. Auch hier wird nach der Operation ein Gips angelegt. Die Nachbehandlung erfolgt in einer im Schuh zu tragenden Orthese, um ein Rezidiv zu vermeiden.
Wenn die Spitzfußstellung mit Achillessehnenverkürzung Teil einer komplexen Fußdeformität ist, wird ein größerer operativer Eingriff notwendig, um auch die begleitenden Fehlstellungen zu korrigieren. Zur Verlängerung der Achillessehne muss dann eine sogenannte Z-Plastik durchgeführt werden. Hierbei wird die Sehne Z-förmig durchtrennt und unter Verlängerung wieder vernäht. Wiederum schließt sich eine sechswöchige Gipsbehandlung an, bis die Heilung der Sehne abgeschlossen ist.