Leistungsspektrum

Lieber Patient, liebe Patientin,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

der Bereich Tumororthopädie und Sarkomchirurgie an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des UKSH, Campus Lübeck, verfügt über eine große Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Tumorerkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.
Unser Leistungsspektrum umfasst das gesamte Gebiet der Tumororthopädie und Sarkomchirurgie, von der differenzierten Diagnostik über die operative Behandlung bis hin zur Nachsorge. Darüber hinaus stehen wir für Zweitmeinungen, die Abklärung unklarer Befunde sowie die Beratung bei gutartigen Veränderungen des muskuloskelettalen Systems gerne zur Verfügung.

Operative Behandlung von Weichteilsarkomen

Weichteilsarkome bilden eine heterogene Gruppe bösartiger Tumoren, die aus Binde-, Fett-, Muskel- oder Gefäßgewebe entstehen können. Zu den häufigsten Formen zählen:

  • Liposarkom – entsteht aus Fettgewebe, häufig an den Extremitäten oder im Retroperitoneum.

  • Leiomyosarkom – entwickelt sich aus glatter Muskulatur, z. B. an Gefäßen oder im Abdomen.

  • Synovialsarkom – tritt meist in Gelenknähe junger Erwachsener auf.

  • Rhabdomyosarkom – entsteht aus quergestreifter Muskulatur, häufig bei Kindern und Jugendlichen.

  • Angiosarkom – entwickelt sich aus Gefäßendothelzellen und kann an Haut oder inneren Organen vorkommen.

  • Fibrosarkom / undifferenziertes pleomorphes Sarkom (UPS) – häufige Weichteilsarkome ohne klare Gewebsdifferenzierung, meist im Bereich der Extremitäten.

Durch die enge Zusammenarbeit mit der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie können wir auch größere Tumoren häufig extremitätenerhaltend behandeln.

In vielen Fällen ist neben der Operation eine Strahlen- oder Chemotherapie notwendig. Die individuelle Behandlungsstrategie wird im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards festgelegt, an dem Expertinnen und Experten verschiedener Fachrichtungen beteiligt sind.

Unser Ziel ist es, für jede Patientin und jeden Patienten eine sichere und individuell abgestimmte Therapie zu ermöglichen.

Operative Behandlung von Knochensarkomen

Knochensarkome sind bösartige Tumoren, die direkt aus dem Knochengewebe entstehen. Sie treten vor allem im Bereich der langen Röhrenknochen (z. B. Oberschenkel, Schienbein, Oberarm) sowie im Becken auf.

Zu den häufigsten primären Knochentumoren zählen:

  • Osteosarkom – der häufigste bösartige Knochentumor, meist im Jugend- und jungen Erwachsenenalter, typischerweise in Wachstumszonen der langen Knochen.

  • Ewing-Sarkom – tritt häufig im Kindes- und Jugendalter auf, betrifft sowohl Knochen als auch Weichteile.

  • Chondrosarkom – entsteht aus Knorpelgewebe, meist bei Erwachsenen, häufig im Becken oder Schultergürtel.

Die Behandlung erfolgt interdisziplinär, meist mit einer Operation in Kombination mit Chemo- und/oder Strahlentherapie, abhängig von Tumorart und -stadium. Ziel ist eine vollständige Tumorentfernung bei maximalem Funktionserhalt.

Die Rekonstruktion der Knochendefekte an den Extremitäten erfolgt sowohl mit modernen, modularen Tumorprothesen als auch mit biologischen Rekonstruktionstechniken.

Tumorprothetik und Rekonstruktion

Nach der Entfernung eines Tumors am Knochen steht heute eine Vielzahl rekonstruktiver Verfahren zur Verfügung, die Funktion und Beweglichkeit bestmöglich erhalten.
Ein zentraler Bestandteil ist der Einsatz moderner Tumorendoprothesen, die individuell an die jeweilige Situation angepasst werden. So können selbst größere Knochendefekte sicher ersetzt und die betroffene Extremität in den meisten Fällen erhalten werden.

Bei wachstumsaktiven Patientinnen und Patienten kommen sogenannte Wachstumsprothesen zum Einsatz. Diese ermöglichen es, Beinlängendifferenzen nach Abschluss der onkologischen Behandlung schrittweise und schonend auszugleichen. Auch maßgefertigte Implantate finden Anwendung, wenn anatomische Besonderheiten oder das Alter der Patientin oder des Patienten dies erfordern.

Operative und konservative Therapie von gutartigen Knochentumoren

Gutartige Knochentumoren sind deutlich häufiger als bösartige Knochensarkome. Sie entstehen aus Knochen- oder Knorpelgewebe und zeichnen sich durch langsames Wachstum, lokale Begrenzung und das Fehlen von Metastasen aus. Viele dieser Veränderungen werden zufällig im Rahmen bildgebender Untersuchungen entdeckt, da sie häufig keine oder nur geringe Beschwerden verursachen.

Viele gutartige Knochentumoren erfordern zunächst keine operative Therapie.

Bei asymptomatischen oder stabilen Befunden genügt eine regelmäßige Verlaufskontrolle mit bildgebender Kontrolle, um Wachstum oder Strukturveränderungen frühzeitig zu erkennen.

Diese konservative Vorgehensweise ist besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten oder wachstumsabhängigen Tumoren sinnvoll.

Wenn ein Tumor Schmerzen verursacht, das Knochenwachstum beeinträchtigt oder das Risiko einer pathologischen Fraktur besteht, wird eine operative Entfernung empfohlen.

Dabei wird der Tumor knochenschonend ausgeräumt (Kürettage), und der Defekt kann mit Knochenzement, Spongiosa oder synthetischem Knochenersatzmaterial stabilisiert werden.

In ausgewählten Fällen kommen minimalinvasive Verfahren zum Einsatz, die eine schnelle Rehabilitation ermöglichen.

Häufige gutartige Knochentumoren

Zu den häufigsten gutartigen Knochentumoren zählen:

  • Osteochondrom (Exostose) – gutartiger, knorpelüberzogener Knochenauswuchs, meist an langen Röhrenknochen.

  • Enchondrom – aus Knorpelzellen bestehender Tumor, häufig in den kleinen Hand- und Fußknochen.

  • Nicht-ossifizierendes Fibrom (NOF) – häufiger, meist symptomloser Zufallsbefund bei Kindern und Jugendlichen.

  • Fibröser Dysplasie – Fehlbildung des Knochengewebes mit Ersatz durch faseriges Gewebe, oft schmerzlos.

  • Osteoidosteom – kleiner, gutartiger Knochentumor, der vor allem nachts Schmerzen verursachen kann.

  • Chondroblastom – seltener Tumor des wachsenden Knochens, meist im Bereich der Epiphyse.

  • Riesenzelltumor (benigne Variante) – lokal aggressiver, aber in der Regel gutartiger Tumor, häufig in der Nähe von Gelenken.

Das Ziel der Behandlung ist der dauerhafte Erhalt der Knochenstabilität und Funktion bei gleichzeitig minimaler Belastung für die Patientinnen und Patienten.

Operative und konservative Therapie von gutartigen Weichteiltumoren

Neben den bösartigen Weichteilsarkomen treten auch gutartige Tumoren des Weichteilgewebes häufig auf. Diese wachsen in der Regel langsam, bilden keine Metastasen und können meist konservativ oder operativ vollständig entfernt werden.

Zu den häufigsten gutartigen Weichteiltumoren zählen:

  • Lipom – gutartiger Tumor des Fettgewebes, meist unter der Haut tastbar.

  • Fibrom – entsteht aus Bindegewebe, häufig im Bereich von Haut oder Sehnen.

  • Hämangiom – Gefäßtumor, oft bei Kindern, meist gutartig und spontan rückläufig.

  • Schwannom / Neurofibrom – Tumoren aus Nervenhüllen, in der Regel langsam wachsend.

  • Myxom – seltener Bindegewebstumor mit schleimiger Struktur, meist gutartig.

Nicht jeder gutartige Weichteiltumor – wie zum Beispiel das Lipom – muss unbedingt entfernt werden. Wir beraten Sie daher gerne in unserer Sprechstunde über die möglichen chirurgischen und nicht-chirurgischen Behandlungsoptionen. 

Behandlung von Knochenmetastasen

Knochenmetastasen entstehen, wenn Tumorzellen anderer Organe – etwa der Brust, Prostata, Lunge, Niere oder Schilddrüse – in das Knochengewebe streuen. Sie zählen zu den häufigsten Formen von Tumorabsiedelungen und treten vor allem im Bereich der Wirbelsäule, des Beckens und der langen Röhrenknochen auf.

Knochenmetastasen können Schmerzen, Instabilitäten oder Brüche (pathologische Frakturen) verursachen und beeinträchtigen damit die Mobilität und Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Eine gezielte, individuell abgestimmte Therapie ist daher entscheidend.

Eine operative Stabilisierung oder Tumorentfernung wird erwogen, wenn:

  • eine Bruchgefahr besteht oder bereits eine Fraktur vorliegt,

  • neurologische Symptome durch Druck auf das Rückenmark auftreten,

  • oder eine Verbesserung der Lebensqualität und Mobilität erwartet wird.

Zur Rekonstruktion kommen endoprothetische Versorgungen, osteosynthetische Verfahren (Platten, Nägel, Schrauben) oder Zementaugmentierungen zum Einsatz. Ziel ist stets der Funktionserhalt, die Schmerzreduktion und die rasche Mobilisierung nach dem Eingriff.

Konservative und additive Therapie

In vielen Fällen wird die operative Behandlung durch additive Maßnahmen ergänzt:

  • Strahlentherapie zur lokalen Tumorkontrolle und Schmerzreduktion,

  • Systemische Therapien wie Hormon-, Immun- oder Chemotherapie zur Behandlung der Grunderkrankung,

  • Bisphosphonate oder Denosumab, um den Knochenstoffwechsel zu stabilisieren und Frakturen vorzubeugen.

Das Hauptziel ist die Erhaltung von Lebensqualität, Mobilität und Schmerzfreiheit.
Durch die Kombination aus moderner Chirurgie, gezielter Systemtherapie und interdisziplinärer Betreuung können wir den Krankheitsverlauf häufig deutlich verlangsamen und die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange bewahren.